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Giovedì 22 | 18.00
Conferenze
Locarnese
Liebe und Sexualität in der frühen Neuzeit und im 19. Jahrhundert. Neue Perspektiven. Prof. Dr. Sandro Guzzi, Historiker
Der Erfinder der modernen Familie ist Huldrych Zwingli. 1525 erlässt der Zürcher Reformator eine Eheordnung, deren Prinzipien sich in Europa durchsetzen, wie der Historiker Sandro Guzzi-Heeb in seinem Buch «Sexe, impôt et parenté» («Sex, Steuern und Verwandtschaft») aufzeigt. Die Reformation regelt erstmals das Geschlechtsleben der Individuen. Sie sollen den Bund der Ehe eingehen, die Heirat muss öffentlich erfolgen und von der erneuerten Kirche und dem neu aufgebauten Staat genehmigt werden. Die Sexualität wird damit zur Staatsaffäre, zuerst in den reformierten, dann auch in den katholischen Gebieten. Mann und Frau sind verpflichtet, ihr sexuelles Verhalten in den Dienst der Fortpflanzung zu stellen.
Die Ehe als exklusiver Ort der Sexualität und als Gütezeichen der Familie: Während Jahrhunderten haben die Menschen diese Ordnung akzeptiert. Jetzt halten sie an ihr fest, auch wenn sie nicht mehr müssten und die Sexualität von Kirche und Staat befreit ist. Seit 50 Jahren heisst es, die bürgerliche Familie gerate durch alternative Formen von Sexualität, Zusammenleben und Fortpflanzung unter Druck. Wie ist diese Wende zu interpretieren? Welche Folgen hat sie? Darüber werden wir unter anderem mit Professor Guzzi-Heeb diskutieren.
Sandro Guzzi-Heeb (*1960), PD Dr. phil., ist im Tessin aufgewachsen. Er war bis Juli 2025 Dozent für moderne Geschichte an der Universität Lausanne. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Verwandtschaft und der Sexualität, die Geschichte sozialer Konflikte, die Geschichte der Zeit- und Raumvorstellungen sowie die Sozialgeschichte der Religion. Er ist Autor zahlreicher Publikationen in Französisch, Englisch, Deutsch und Italienisch.
Seit 2022 ist er Präsident des wissenschaftlichen Beirats des Projekts «Sexueller Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts» (Universität Zürich). Seit 2009 Gründungsmitglied des Vorstands der Schweizerischen Gesellschaft für ländliche Geschichte (SGLG). 2022 erschien sein Buch Sexe, impôt et parenté. Une histoire sociale à l’époque moderne (Paris: Editions du CNRS)
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Per tutti
Thursday 22 October 2026
dalle 18.00
Indirizzo
Biblioteca Popolare
Piazza G. Motta 37
6612, Ascona
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